Stillleben

Still|le|ben ['ʃtɪlle:bn̩], das; -s, -:
Darstellung nicht bewegter Gegenstände in künstlerischer Anordnung:
Stillleben waren in der holländischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts besonders beliebt.

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Stịll|le|ben 〈n. 14bildl. Wiedergabe lebloser od. unbewegter Gegenstände (besonders Blumen, Früchte, erlegtes Wild) [→ still]

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Stịll|le|ben, Stịll-Le|ben, das [von engl. still life beeinflusste von niederl. stilleven]:
1. bildliche Darstellung von Dingen, bes. Blumen, Früchten, erlegten Tieren u. Gegenständen des alltäglichen Lebens, in künstlerischer Anordnung:
ein S. malen.
2. Bild, Kunstblatt mit einem Stillleben (1):
ein S. kaufen.

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Stillleben,
 
französisch Nature morte [natyr'mɔrt; »tote Natur«], italienisch Natura mọrta, die Darstellung unbewegter oder lebloser Gegenstände (Blumen, Früchte, Jagdbeute, Geräte aller Art u. a.) in einer vom Maler gewählten ästhetischen Anordnung fern ihrer natürlichen Umgebung und in (bis in die Neuzeit) naturgetreuer Wiedergabe, bis zur gesuchten Nachahmung der Wirklichkeit (Trompe l'Œil); auch beigeordnete Menschen (meist in Halbfigur) oder Tiere sind möglich. Nach ihren Inhalten werden Blumenstillleben (Blumenmalerei), Küchenstück und Jagdstück unterschieden. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Stilllebenmalerei eine selbstständige Disziplin.
 
 
Motive in Art des Stilllebens finden sich schon in der spätantiken Dekorationsmalerei (Pompeji, Herculaneum), hingegen kaum in der mittelalterlichen Kunst, denn die absichtslose Darstellung eines Gegenstandes war mit ihrem Grundprinzip, der »sprechenden« Bildaussage, nicht vereinbar. So sind noch die Arrangements von Pflanzen und Geräten auf Bildern (besonders Marienbildern) Ende des 14. Jahrhunderts und besonders im frühen 15. Jahrhundert (J. van Eyck, R. Campin, R. van der Weyden, H. van der Goes) in der Regel als allegorische Hinweise auf das dargestellte Thema zu verstehen. Stillleben der folgenden Zeit begegnen als Teil eines größeren Ganzen (Außenseiten von Altarflügeln, Holzintarsien als Wandverkleidung). Auch einige kleinformatige, als eigenständige Bilder überlieferte Stillleben, wie das von I. de' Barbari 1504 gemalte »Rebhuhn mit Eisenhandschuhen und Armbrustbolzen« (München, Alte Pinakothek) und die Blumenstücke von L. tom Ring dem Jüngeren, dienten wohl als Schrankverkleidungen. In einem Bild von P. Aertsen (»Christus bei Maria und Martha«, 1553; Rotterdam, Museum Boymans van Beuningen) wird die weitere Entwicklung deutlich: Die biblische Szene wird zum Hintergrund eines prächtig gemalten Stilllebens. - Den traditionellen Bedeutungsgehalt des Vanitasbildes bewahrte das Vanitasstillleben (Vanitas).
 
Zu allgemeiner Blüte kam das Stillleben im 17. Jahrhundert, gleichzeitig mit den emblematischen Darstellungen, aber weniger in Italien (Caravaggio, »Früchtekorb«, 1596; Mailand, Pinacoteca Ambrosiana) als in Spanien (J. Sánchez Cotán, D. Velázquez, F. de Zurbarán) und v. a. in den Niederlanden (F. Snijders, P. Claesz, J. Bruegel der Ältere, W. C. Heda, A. Bosschaert, W. Kalf). In den verschiedenen Regionen der Niederlande entwickelten sich spezifische Stilllebenmotive, etwa in Haarlem Darstellungen mit gedeckten Tischen, in der Universitätsstadt Leiden mit Büchern, Folianten und Bierkrügen, in Den Haag (mit dem Fischmarkt in Scheveningen) mit toten Fischen, in Utrecht mit Blumen und Früchten. Einige Maler wandten sich besonders bestimmten Motiven zu, so der nach seinen Blumenstücken benannte »Blumenbruegel« (J. Bruegel der Ältere). Von der akademischen Kunst Frankreichs wurde das Stillleben wegen des geringen Wertes des Gegenstandes nicht geschätzt, dennoch gab es dort im 17. Jahrhundert einige namhafte Künstler, die sich ihm widmeten (L. Baugin, A.-F. Desportes, J.-B. Oudry). Im 18. Jahrhundert fand das Stillleben in der subtilen Kunst J.-B. Chardins zu einem (erst im 19. Jahrhundert von den Brüdern Goncourt erkannten) Höhepunkt.
 
Das lebhafte Interesse der Maler des 19. Jahrhunderts am Stillleben entzündete sich mehr an den formalen Möglichkeiten der Wiedergabe frei gewählter Gegenstände als an der inhaltlichen Bedeutung (G. Courbet, É. Manet, L. Corinth). Unter diesem Gesichtspunkt sind Stillleben bis in das 20. Jahrhundert gemalt worden (P. Cézanne, G. Braque, O. Kokoschka, H. Matisse, P. Picasso, G. Morandi u. a.).
 
 
M. u. F. Faré: La vie silencieuse en France. La nature morte au XVIIIe siècle (Freiburg 1976);
 
Stilleben. Die große Zeit des europ. Stillebens, bearb. v. I. Bergström u. a. (a. d. Ital., 1979);
 
Niederländ. Stilleben von Brueghel bis van Gogh, bearb. v. S. Segal, Ausst.-Kat. (a. d. Niederländ., Amsterdam 1983);
 
Pintura española de bodegones y floreros de 1600 a Goya, bearb. v. A. E. Pérez Sánchez, Ausst.-Kat. (Madrid 1983);
 
Stillevens uit de Gouden Eeuw, bearb. v. F. G. Meijer, Ausst.-Kat. Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam (Rotterdam 1989, niederländ. u. engl.);
 B. John: Stilleben in Italien. Die Anfänge der Bildgattung im 14. u. 15. Jh. (1991);
 C. Grimm: Stilleben. Die niederländ. u. dt. Meister (21993);
 
Stilleben. Die ital., span. u. frz. Meister, bearb. v. C. Grimm (1995);
 S. Rasche: Das Stilleben in der westdt. Malerei der Nachkriegszeit (1995).

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Stịll|le|ben, das [von engl. still life beeinflusste LÜ von niederl. stilleven]: 1. bildliche Darstellung von Dingen, bes. Blumen, Früchten, erlegten Tieren u. Gegenständen des alltäglichen Lebens, in künstlerischer Anordnung: ein S. malen. 2. Bild, Kunstblatt mit einem ↑Stillleben (1): ein S. kaufen.

Universal-Lexikon. 2012.

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